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Hofolding – Am 4. März 2018 türmt sich der Schnee am Rande des Kunstrasenplatzes in Höhenkirchen. Schon zur Halbzeit liegt der TSV Hofolding mit vier Toren in Rückstand. Zur zweiten Hälfte entscheidet sich TSV-Coach Thomas Schmelzer für frische Kräfte: Franz Hadler, die eingewechselte Hofoldinger Nummer eins nimmt ihren Platz zwischen den Pfosten ein, Ludwig Hadler, die Nummer zehn, den seinen im Mittelfeld. Seit Januar 2016 stehen die Brüder im Trikot des TSV gemeinsam auf dem Platz.

So recht glauben mochte man die familiäre Bande zwischen dem ungleichen Geschwisterpaar in Hofolding zunächst nicht so recht. „Als der Franz mir erzählt hat, dass das sein Bruder ist, hab´ ich gedacht, der verarscht mich“, erinnert sich Hofoldings Torjäger Christoph Zwätz an seine erste Begegnung mit Ludwig Hadler. Nach 90 Minuten steht für die Lila-Weißen eine 1:6-Pleite in Höhenkirchen zu Buche. Doch was wenige Tage später zur bösen Gewissheit wird, ist nicht nur für Ludwig viel schmerzlicher, als die Testspielniederlage: ein Knorpelschaden im Knie beendet die Karriere des 24 Jahre alten Mittelfeldspielers. Die 45 Minuten in Höhenkirchen waren die letzten Momente seiner aktiven Karriere.

Schon in den Jahren zuvor zwangen Verletzungen Hadler immer wieder zu längeren Pausen. In der A-Jugend riss zunächst das linke, dann, im ersten Training nach überstandener Verletzung, das rechte Kreuzband. Erstmals kam Ludwig der Gedanke ans Aufhören, doch sein Bruder Franz, damals in Diensten des TSV Ottobrunn, überredete ihn, es dort noch einmal zu versuchen. Während der ältere Bruder das Tor der ersten Mannschaft hütete, blieb Ludwig der Aufstieg aus der Reserve verwehrt. Ein Meniskusschaden warf den, in der Jugend des FC Bayern München ausgebildeten, Mittelfeldspieler abermals zurück. Wieder folgte Ludwig seinem Bruder, diesmal nach Hofolding.

Endlich blieb er verletzungsfrei, endlich standen die Geschwister gemeinsam auf dem Platz. „Ich glaube, als er sein erstes Tor für Hofolding gemacht hat, hatte ich Tränen in den Augen“, erinnert sich Franz. Am Ende ihrer ersten gemeinsamen Saison steigen die Hadlers mit den Lila-Weißen in die Kreisklasse auf. Nach nur einer Saison ist das Abenteuer Kreisklasse für den TSV schon wieder beendet, der Abstieg ist bereits vor dem letzten Saisonspiel gegen die DJK Darching beschlossene Sache. Doch schwerer als der Gang in die A-Klasse dürfte beim TSV Hofolding das frühe Karriereende ihrer Nummer zehn wiegen.

Und Hadler selbst? „Ich vermisse jetzt schon den Ball am Fuß. Seit ich fünf Jahre alt bin, spiele ich Fußball. Das war für mich die schönste Zeit. Dafür bin ich sehr dankbar, vor allem für die Unterstützung meiner Eltern.“