Ein „Heldenstammtisch“ – was ist das? Ein Stammtisch – in bayerischen Wirtshäusern, eine bekannte Einrichtung – besetzt mit Helden? Aber: Was ist ein Held? Der Begriff wird und wurde häufig verbunden mit Kampf, Verwundung, „Heldentod“ und Vaterland. Die Heroisierung soll über die Sinnlosigkeit des Todes auf dem „Schlachtfeld“ hinwegtäuschen. Und die überlebenden „Helden“? Sie erinnern sich an ihre gemeinsamen Erlebnisse, zuweilen verklären sie die Vergangenheit, obwohl sie am eigenen Leib erfahren mussten, dass nicht alles so rosig war. Aber im Grunde wollen sie einfach an ihrem Stammtisch zusammen ihr Bier trinken, 25 Jahre nach ihrem 70er Krieg, der Deutschland die Reichsgründung und Bayern den Verlust der Selbstständigkeit gebracht hat. Und „unser Kini, der hat uns doch verraten“ heißt es, trotz aller Treue dem Märchenkönig und dem Prinz-regenten gegenüber. Aber es geht nicht nur um den Krieg, um Helden, patriotische Lieder und ein „Denkmal für die toten Kameraden“. Geltungs-drang und wirtschaftliche Interessen spielen eine Rolle, vor allem aber menschliches, allzu-menschliches, Irrungen und Wirrungen, die weit in die Vergangenheit zurückreichen und zur Tragödie führen könnten. Ob es das Geschehen auf der Bühne so weit kommen lässt? Wenn Schwächen, ja „Fehltritte“ nicht allzu streng verurteilt werden, wenn das Motto „leben und leben lassen“ im Zusammenleben gilt, ist die Welt am Ende doch wieder in Ordnung. Man rauft sich – buchstäblich – zusammen, liebt sich, feiert die Feste wie sie fallen, und das Leben geht weiter.                                                                                                                                                                                                               -                      Marianne Bindl                     -